Zugang anfordern
title
12.05.2020 Luzie Hegele

Marburger Clubs United: Ein Blick hinter die Kulissen

Graue Wolken ziehen über den Seepark Niederweimar. Regentropfen prasseln auf die Wasseroberfläche des Baggersees. Doch das kann der guten Stimmung des Teams von „Marburger Clubs United“ nichts anhaben. Marburg soll trotz des schlechten Wetters, aber vor allem trotz der behördlichen Stilllegung des Nachtlebens als Maßnahme zur Eindämmung des Coronavirus coole Beats auf die Ohren bekommen. Und zwar per Livestream über die sozialen Medien.

Seit dem 18. April geht „Marburger Clubs United“ jeden Samstag ab 16 Uhr auf Instagram und Facebook live. Verschiedene DJs präsentieren ihre vorbereiteten Sets vor der Kamera und Nutzer können über die Kanäle der sozialen Medien zuschauen und per Chat-Funktion interagieren. „Die Idee kommt aus Berlin“, erklärt Stefan Oberhansl, der hinter der Organisation des Live-Stream-Events steht. Schnell fand das Berliner Original „United We Stream“ weltweit Ableger und auch in Marburg kam man auf den Gedanken, ein solches Ereignis auf die Beine zu stellen. Anstatt jedoch wie viele andere direkt aus dem leeren Club zu streamen, wollte man verschiedene Marburger Locations in den Hintergrund der DJ-Decks bringen. „Zuhause in der Quarantäne vermissen die Marburger ihre Stadt und die Plätze, an denen sich normalerweise das Leben abspielt“, heißt es.

Vielfältige Streams mit Musik und phänomenalen Ausblick

Dazu zählt beispielsweise der Seepark in Niederweimar, der Schauplatz des dritten Livestreams. In der Strandbar wird das Equipment aufgebaut – der See im Hintergrund als schöne Kulisse. „Mittlerweile geht der Aufbau relativ schnell“, so Oberhansl, für den das Medium Livestream vor „Marburger Clubs United“ auch Neuland war. Er hat sich selber in das System „reingefuchst“ und steuert jetzt die Übertragung über Instagram und Facebook. Während die Livestream-Funktion bei Instagram recht simpel durch das Aufstellen eines Handys plus Verknüpfung mit der Technik funktioniert, bietet Facebook zusätzliche Möglichkeiten, um den Stream qualitativ hochwertiger zu gestalten. Inzwischen kann Oberhansl über eine Software Grafiken, Texte, Werbung und Videos einfügen. Zudem ist es möglich, mehrere Kameras aus verschiedenen Blickwinkeln zu installieren. „Wir probieren, uns mit jedem Mal weiterzuentwickeln und besser zu werden“, sagt er, als er über die Software eine Videoaufnahme vom See, die Minuten zuvor per Drohne aufgenommen wurde, in die Bildfläche des Streams einfügt.

Für Facebook und Instagram hat man sich bewusst entschieden. Es ist leicht, Veranstaltungen zu teilen und der Stream kann so viele Menschen erreichen. Zusätzlich kann bei Facebook direkt über alle sieben Partnerseiten, darunter auch die des Stadtmarketings, gestreamt werden. Durch die etwas jüngere Zielgruppe auf Instagram und die eher ältere auf Facebook entsteht ein breiter Mix aus allen Menschen, die Lust auf gute Sounds haben. Und auch der bunte Mix aus DJs, die für „Marburger Clubs United“ auflegen, spiegelt wieder, dass das Event keiner Altersgruppe zuzuordnen ist.

Vom Urgestein DJ Quentin, der bereits in seinem 25. Jahr als DJ ist, bis hin zur 15-Jährigen Newcomerin Amelie Larsen, die innerhalb von „Marburger Clubs United“ erstmals öffentlich ihr Können zeigte, reicht der ehrenamtliche Zusammenschluss von DJs. Alle wurden spontan kontaktiert und waren sofort an Bord. Auch die Unterstützung von Partnern wie dem Stadtmarketing und der Sparkasse stand nach wenigen Telefonaten fest.

Credo: „Wir sind noch da!“

Alle Beteiligten sind sich einig, dass der Livestream eine super Möglichkeit für die Clubszene ist, um zu zeigen: „Wir sind noch für euch da! Vergesst uns nicht!“. Es geht nicht nur darum, Marburg Musik zu bieten. „Marburger Clubs United“ hat auch einen repräsentativen Charakter, der die Menschen dazu bringen soll, nach den Einschränkungen wieder die Clubs zu besuchen und die Szene beispielsweise über Hilfsgutscheine zu unterstützen.

Für die DJs persönlich ist „Marburger Clubs United“ eine tolle Chance, sich durch vorbereitete Sets mal von einer anderen Seite zu präsentieren. „Man muss nicht die klassische Clubmusik spielen“ kommentiert Matthias Emanuel Schulze alias DJ Matt-C, Besitzer des Nachtsalons. Luke van Lem, bekannt aus dem ehemaligen Till Dawn, der Campusbar und dem Nachtsalon, stimmt ihm zu und ergänzt, dass das Auflegen ohne ständige Songwünsche ebenfalls Vorteile hat. DJ Quentin sieht in dem Event auch die Möglichkeit, die persönliche Reichweite zu vergrößern. Das probiert auch Amelie Larsen, die ihre ersten Erfahrungen als DJane als aufregend beschreibt. Sie kann den großen Unterschied, den das digitale Livestreaming mit sich bringt, deshalb noch nicht aus eigener Erfahrung bestätigen. „Das ‚echte‘ Publikum fehlt“, antworten alle DJs auf die Frage nach Nachteilen des Streams, verglichen mit dem Auflegen im Club. DJ Quentin fügt an: „Schließlich ist der Livestream kein Club- oder gar Festivalersatz“ Man bekomme kein direktes Feedback und erlebe keine unmittelbare Reaktion wie auf der Tanzfläche. Die Chatfunktion biete zwar Interaktionen, jedoch sei dies nicht mit der Atmosphäre und dem Feeling im Club zu vergleichen. Trotzdem freue man sich natürlich über jeden erhaltenen Kommentar und positives Feedback.

„Satte Beats – klasse Sache“: Es läuft!

Ohnehin gilt: Die Resonanz ist erfreulich, Marburg kann mit Events aus Großstädten mithalten. Das zeigen etwa die Abrufzahlen. Während in Frankfurt ungefähr 300 bis 600 User live den Stream verfolgen, sind es in Marburg immerhin im Durchschnitt 100 bis 250 Menschen. „Marburger Clubs United“ läuft. So beschreibt Stefan Oberhansl das Auswerten der Zahlen nach dem ersten Stream als einen besonders tollen Moment. Insgesamt 35 000 Abrufe zählte man nach dem ersten Stream, welcher auf der Terrasse des 5 Jahreszeiten stattfand. Beim zweiten Mal wurde „on-top“ vom Spiegellustturm mit atemberaubendem Sonnenuntergang im Hintergrund übertragen. „Man konnte sich nicht sattsehen“, beschreibt DJ Quentin das einzigartige Erlebnis. Und Marburg stimmt ihm offensichtlich zu, denn die Übertragung erzielte addiert 52 000 Abrufe. Ein User kommentiert auf Facebook: „Satte Beats – klasse Sache – halb Marburg schaut Euch zu“.

Stefan Oberhansl freut sich auf die Weiterentwicklung des Projektes. Denn besonders die Clubszene wird noch lange unter den Folgen der „Corona-Beschränkungen“ leiden. Sie gehört zu den Bereichen, die erst ganz am Ende der Pandemie wieder gelockert werden können. Bekannte DJ-Größen nach Marburg zu holen sowie eine Kooperation mit dem Marburger Autokino stehen als nächstes auf dem Programm von „Marburger Clubs United“. Wir sind auf dieses Event gespannt!

Hier kommt ihr mit einem Klick zur Facebookseite von "Marburger Clubs United"!

Bilder

12.05.2020 Luzie Hegele